Der Luftdruck deines Fahrradreifens hat einen enormen Einfluss auf das Fahrverhalten des Bikes, den Komfort und den Rollwiderstand. Sprich: Der Reifendruck bestimmt, wie ein Rad oder E-Bike sich anfühlt. Wenn du aus deinem Bike die beste Performance herausholen willst, solltest du ein wenig Zeit in die Ermittlung des passenden Luftdrucks investieren. In unserem umfassenden Ratgeber zum Thema “Luft im Reifen” erfährst du, wie viel Druck du auf deine Laufräder ausüben darfst, auch eine Tabelle mit empfohlenen Werten haben wir für dich.
Es gibt einen empfohlenen Reifendruck für jede Fahrrad-Disziplin. Außerdem empfiehlt der Hersteller des Fahrrad-Mantels einen maximal erlaubten Luftdruck.
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So hast du immer etwas Spielraum, um Citybike, Gravel Bike, Rennrad, Trekkingrad oder MTB an deine Vorlieben anzupassen. |
Was bringt’s? 👉 Mit der Luftpumpe in der Hand optimierst du blitzschnell und günstig Eigenschaften wie Performance, Straßenlage, Haltbarkeit, Effizienz und Sicherheit.
Reifenluftdruck im Überblick
Wusstest du, dass Luftreifen erfunden wurden, um die Fahrt weniger ruppig zu machen, sie sollten zunächst dämpfen, sonst nichts. Der Einfluß auf die Fahreigenschaften kristallisierte sich erst später heraus.
Hoher Luftdruck im Fahrradreifen
Ein hoher Luftdruck unterstützt die Reifenflanken und bringt Stabilität in den Reifen, das Laufrad und damit in das gesamte Fahrrad. Vor allem Reifen mit herkömmlichen Schläuchen sind mit einem höheren Luftdruck weniger pannenanfällig. Durchschläge, die teilweise bis auf die Felge knallen, bleiben bei erhöhtem Luftdruck in der Regel aus. Neben der verbesserten Stabilität kannst du dich bei mehr Reifendruck auch über einen geringeren Rollwiderstand freuen – das Fahrrad fährt sich leichter, da weniger Material auf der Straße klebt. Durch die verringerte Auflagefläche des Reifens entsteht weniger Reibung und das Rad rollt besser. Dieser Vorteil zieht zugleich aber auch einen Nachteil mit sich: Durch die kleinere Kontaktfläche zum Boden verlierst du an Grip.
Niedriger Reifendruck fühlt sich anders an!
Niedriger Luftdruck lässt die Stabilität der Reifenwände schwinden, sorgt andererseits aber für einen enormen Grip auf dem Untergrund. Durch die erhöhte Auflagefläche des Reifen klebt das Bike förmlich am Boden. Wer es hier übertreibt, kommt schwer vom Fleck. Der Reifen steht weniger unter Druck, das reduziert die Stabilität, schlimmstenfalls fühlt sich das Fahrrad schwammig an. Durch die instabilen Reifenflanken schwimmt und wankt der Reifen, das Ergebnis ist trotz des hohen Grips ein eher unsicheres Fahrgefühl.
Bitte nicht: Zu viel & zu wenig Reifendruck
Gibt es zu viel Luftdruck? Pneus sollen dämpfen, nicht springen!
Ein zu prall gefüllter Reifen springt förmlich über den Untergrund. Du spürst du jede Unebenheit, Pflastersteine, Wurzeln und Steine kommen direkt bei den Bandscheiben an. Besonders auf ansonsten ungefederten Fahrrädern wie Gravel-Bikes, Urban Bikes oder Mountainbike-Hardtails macht sich das unangenehm bemerkbar. Durch den hüpfenden Reifen verlierst du zusätzlich Grip und Kontrolle.
Zu wenig Luftdruck auf den Reifen
Ein deutlich zu niedriger Reifendruck ist besonders bei Schlauchsystemen nicht zu empfehlen. Hier passieren schnell die gefürchteten “Durchschläge” oder snake bites, der Reifen komprimiert über Unebenheiten komplett bis auf die Felge. Das Ergebnis: Der Reifen wird von der Felge durchgezwickt und die Felgen bekommen Macken. Bei Tubeless-Reifen kann ein Reifenschaum als Durchschlagschutz Abhilfe schaffen, aber auch hier darf es nicht zu wenig Luft sein!

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Niedriger Luftdruck |
Hoher Luftdruck |
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✅ guter Grip, dadurch mehr Traktion |
✅ weniger Rollwiderstand |
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✅ höherer Komfort durch mehr Eigendämpfung der Reifen |
✅ guter Durchschlagschutz |
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✅ höherer Rollwiderstand |
✅ bessere Stabilität im Reifen |
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❌ schwammiges Fahrgefühl |
❌ weniger Dämpfung |
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❌ geringerer Pannenschutz |
❌ weniger Kontrolle |
Hier unsere erprobte Faustregel:
➜ Auf glatten, trocken Straßen fährst du mit höherem Druck effizienter.
➜ Auf unebenen, schwierigen Untergründen und bei Nässe hast du mit weniger Reifendruck besseren Halt.
§ Gibt es Vorschriften in Sachen Reifendruck?
Beim Autoreifen gibt’s eine Vorgabe des Herstellers, wie sieht es da bei Fahrrädern aus?
➽ Bei Fahrradreifen wird kein idealer Luftdruck befohlen, der Produzent spricht hier nur eine Maximalbelastung oder einen empfohlenen Bereich aus. Du findest diesen Wert neben der Reifengröße, Marke und Typenbezeichnung auf der Reifenflanke – nicht nur bei Fahrradreifen, sondern auch bei Mänteln mit E-Bike-Freigabe.

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Einen Universalwert für den richtigen Druck im Fahrradreifen gibt es aber nicht. |
🤔Wie finde ich den richtigen Reifendruck für mein Bike?
Der optimale Reifendruck ist immer ein Mix, den viele unterschiedliche Faktoren beeinflussen:
- die gewünschten Fahreigenschaften (siehe oben) und Vorlieben
- die Fahrradart
- Fahrer*innen-Gewicht
- Fahrstil
- Untergrund
- Wetterlage
- Auswahl des Mantels
- Schlauch oder tubeless
- Einsatzzweck – Training, Rennen, Freizeit...
Grundsätzlich ist immer eine Portion Erfahrung gefragt. Am besten lässt sich der richtige Reifendruck durch ausgiebiges Testen ermitteln.
- Schnapp dir eine Pumpe mit Manometer und such dir eine Teststrecke, die deinen üblichen Strecken ähnelt.
- Pumpe den Reifen auf den maximal erlaubten Luftdruck auf (in der Tabelle weiter unten findest du Empfehlungen für unterschiedliche Fahrradtypen).
- Fahre eine Runde und achte auf die Fahreigenschaften.
- Reduziere den Druck dann nach und nach kontrolliert, um Unterschiede zu spüren.
📋 Checkliste: Passt der Druck im Fahrradreifen?
Hier ein paar Fragen die dir helfen, den richtigen Reifendruck zu finden:
- Habe ich genügend Grip in Kurven?
- Wie gut rollt mein Fahrradreifen ab?
- Wie verhält sich der Reifen bei Hindernissen wie Wurzeln und Steinen?
- Fühle ich mich sicher oder ist das Bike zu schwammig?
- Habe ich ausreichend Luft im Reifen, um Durchschläge auf die Felge weitestgehend zu verhindern?
MTB, Rennrad, Gravel & Co. – Wie viel Bar/PSI muss auf den Reifen?
Bitte beachten:
- Je nach Reifenbreite oder Reifengröße kann der Reifendruck um einige Bar/PSI abweichen.
- Auch die Breite der Felge spielt beim optimalen Luftdruck der Fahrradreifen eine Rolle.
- Pro +/- 5 kg Körpergewicht um ca.1 PSI steigern, bzw. reduzieren.
- Unsere Tabelle geht von einem Fahrergewicht von ca. 80 kg aus.
- Da auf dem hinteren Laufrad mehr Gewicht lastet, sind hier höhere Werte empfohlen.
| Welches Fahrrad? |
Bar/PSI vorne Schlauch |
Bar/PSI hinten Schlauch |
Bar/PSI vorne Tubeless |
Bar/Psi hinten Tubeless |
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MTB (breite Reifen) |
2,3 Bar/ 33 PSI |
2,5 Bar/ 36 PSI |
1,8 Bar/ 26 PSI |
2,0 Bar / 29 PSI |
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Rennrad (besonders schmale Reifen) |
5,2 Bar/ 74 PSI |
5,9 Bar / 86 PSI |
4,5 Bar/ 65 PSI |
5,2 Bar/ 75 PSI |
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Gravel Bike (schmale bis mittlere Reifenbreite) |
3,5 Bar / 50 PSI |
3,7 Bar / 53 PSI |
2,7 Bar/ 39 PSI |
2,8 Bar/ 40 PSI |
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Citybike (mittlere Reifenbreite) |
3,8 Bar / 55 PSI |
4 Bar / 58 PSI |
3,5 Bar / 50 PSI |
3,8 Bar / 55 PSI |
Reifendruck nach Fahrradart in der Übersicht
Reifendruck E-Bike
Achtung! Da es “das E-Bike” nicht gibt, gelten hier ähnliche Werte wie bei Bio-MTB, Bio-Gravel oder Bio-Citybikes. Du solltest aber das höhere Gewicht der Elektro-Bikes berücksichtigen.
Gerade City-E-Bikes sind übrigens unserer Erfahrung nach oft mit zu platten Reifen unterwegs. Bei einem normalen Fahrrad merkst du, wenn sich der Reifendruck verringert, weil das Fahrrad sich schwerer fährt. Beim E-Bike gleicht hier der Antrieb aus. Darum: Regelmäßig Reifendruck checken!
Tubeless vs. Schlauch – das solltest du beachten!
Der empfohlene Druck für Tubeless Reifen ist in der Regel in etwa 1 Bar (ca. 15 PSI) geringer als bei vergleichbaren Schlauchsystemen.
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Wichtig! Unsere Tabelle gibt dir einen Überblick, der tatsächliche Reifendruck hängt von der exakten Reifenbreite, dem Gewicht des Fahrers/der Fahrerin und anderen Faktoren ab. |
Reifendruck am Fahrrad – FAQs
Reifendruck – welche Einheiten gibt es?

Der Luftdruck im Fahrradreifen wird in Bar oder PSI (Pfund pro Quadratzoll) gemessen (Bild © Topeak)
Welche Messgeräte kann ich zum Ermitteln des richtigen Luftdrucks benutzen?
Ein Daumendruck genügt? Diese Art der Druckmessung ist höchstens für selten genutzte Freizeitbikes zu empfehlen! Es gibt mehrere Möglichkeiten, um den Luftdruck genauer zu kontrollieren:
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Eine Standpumpe mit integriertem Manometer ist sehr zu empfehlen, denn du brauchst keine weiteren Geräte und Arbeitsgänge. Die Anzeige sagt dir direkt beim Aufpumpen, wieviel Reifendruck erreicht ist (Bild © SKS) |
Auch Minipumpen können heute mit einem Manometer ausgestattet sein (Bild © Topeak) |
Zu einem CO2-Inflator brauchst du meist ein separates Messgerät (Bild © Peatys) |
Digital und extrem genau – der separate Druckmesser lohnt sich vor allem für ambitionierte Athleten (Bild © Dynamic) |
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❄️☀️ Einmal Reifendruck – immer Reifendruck? Wann solltest du den Reifendruck an die Bedingungen anpassen?
Hier noch ein Tipp aus der BMO Redaktion: Prüfe den Druck auf deinen Fahrradreifen regelmäßig. Dafür gibt es ein paar Gründe:
- Der Luftdruck ändert sich mit der Temperatur. Wenn das Wetter wärmer oder kälter wird, kann er schwanken. Darum lohnt es sich, passend zur Jahreszeit den Reifendruck zu checken.
- Im Winter hast du mit etwas weniger Luftdruck besseren Halt.
- Nicht nur mit den Jahreszeiten ändert sich der optimale Luftdruck, auch bei stark veränderten Witterungsbedingungen kann eine Änderung des Reifendrucks sinnvoll sein. Wahrscheinlich kannst du bei trockenen Streckenverhältnissen einen höheren Reifendruck fahren, während bei nassem Untergrund ein geringerer Luftdruck mehr Grip bietet.
- Fahrradreifen verlieren mit der Zeit Luft. Darum solltest du den Reifendruck regelmäßig prüfen. Es kommt auch darauf an, wie oft du dein Bike benutzt, wöchentlich oder monatlich ist ein empfehlenswerter Turnus.
- Für eine Tour-Tour mit zusätzlichem Gewicht solltest du den Reifendruck anpassen.
- Bei einem Reifenwechsel musst du natürlich den Druck anpassen oder einen neuen idealen Luftdruck ermitteln.
Viele weitere Informationen findest du in den anderen Teilen unserer Reifen-Serie:



